Geschrieben am 18.06.2010 von stopp-rechts
Zum zweiten mal veranstaltete das Wilhelmshavener Netzwerk gegen Rechts einen antifaschistischen Aktionstag am Pumpwerk. Nach langer und intensiver Vorbereitung aller beteiligten Parteien, Gewerkschaften, Kirchen, Verbände und Einzelpersonen konnte ein buntes Programm aus Information, Aufklärung und Unterhaltung geboten werden. Bei bestem Wetter fanden allerdings weniger Besucher auf das Gelände des Pumpwerk, als erwartet. Da die Zahlen des Vorjahres gesteigert werden konnten, sehen wir uns aber auf einem guten Weg.
Bereits im Vorfeld des Aktionstages startete um 12.00 Uhr die antifaschistische Stadtrundfahrt. Über 20 Punkte in Wilhelmshaven, die mit dem Nationalsozialismus und dem Widerstand in Verbindung stehen, wurden angefahren. Vertreter des Netzwerkes informierten die Teilnehmer über die Zusammenhänge und Vorgänge an den verschiedenen Orten. Die 25 Teilnehmer lauschten gebannt den Vorträgen und zeigten sich erstaunt darüber, an wie vielen Stellen Wilhelmshaven noch Zeichen der Terrorherrschaft der Nazis vorhält. Nach zwei Stunden endete die Stadtrundfahrt am Pumpwerk.
Um 14.00 Uhr wurde dann der antifaschistische Aktionstag eröffnet. Das Grußwort für die Stadt Wilhelmshaven sprach der zweite Bürgermeister Wilfried Adam, der kurzfristig für den leider erkrankten Oberbürgermeister Eberhard Menzel eingesprungen war. Adam macht eindringlich klar, dass faschistische Strukturen, gleich welcher Art, im Wilhelmshaven weder gewünscht, noch akzeptiert werden. Er sicherte dem Netzwerk die Unterstützung seitens der Stadt Wilhelmshaven zu und dankte mehrfach dem Organisatoren für ihr Engagement.
Mit Annie Soulshine kam dann der erste Musik-Act auf die Bühne. Mit toller Stimme und ebenfalls deutlichen Worten zeigte auch Annie Soulshine den Nazis die Rote Karte. Während der Vorträge und Musik informierten die Mitglieder des Wilhelmshavener Netzwerk gegen Rechts die Besucher an ihren Ständen über den Nationalsozialismus und die aktuellen Strukturen in Wilhelmshaven und Umgebung. Diverse Ausstellungen rundeten das Bild ab.
Mit etwas Verspätung kam dann Andrea Röpke zu Wort. Die mehrfach ausgezeichnete freie Journalistin beobachtet die Neonazi-Szene in Deutschland, speziell aber in unserer Region, seit vielen Jahren. So konnte sie über diverse Verbindungen und Kampagnen der Nazis berichten und viele neue Informationen für die Zuhörer bereit halten. Untermalt wurde der Vortrag von einem eindrucksvollen Film, der auf einer Großbildleinwand gezeigt wurde.
Kurzfristig kam etwas Unruhe auf, als sechs Friesländer Nazis auf das Pumpwerkgelände kamen. Vier der sechs Nazis sind namentlich bekannt und stehen in enger Verbindung zu der inzwischen zerschlagenen Wilhelmshavener Nazi-Kameradschaft AG Wiking. Die anwesenden Nazis (vier Männer und zwei Frauen aus Esens und Friesland) wurden sofort erkannt und des Geländes verwiesen. Aus Angst vor weiteren Folgen verließen die Nazis das Gelände, um sich vom Rand aus der gezielten Fotografie einzelner Teilnehmer des Aktionstages hinzugeben. Die eintreffende Polizei ließ die Bilder löschen und erteilte einen Platzverweis im Umkreis von 500 Metern.
Der Vortrag von Andrea Röpke konnte während dessen ungestört abgehalten werden. Der kurzzeitige Auftritt der Nazis zeigte erneut, wie wichtig antifaschistische Aktionen in Wilhelmshaven sind, auch wenn von den sechs ewig Gestrigen zu keinem Zeitpunkt Gefahr ausging. Zwei der sechs Nazis hatten sich bereits nach dem ersten Platzverweis durch das Netzwerk in die Büsche geflüchtet. Drei der Nazis waren augenscheinlich so betrunken, dass sie sich kaum mehr auf den Beinen halten konnten.
Als weitere musikalische Untermalung betrat der Kirchenchor Free-Voices die Bühne. Die Kirchen unterstützten den antifaschistischen Aktionstag somit nicht nur in der Vorbereitung, sondern auch durch diesen tollen Auftritt. Die Texte und Lieder begeisterten die Zuschauer. Die Unvereinbarkeit des Faschismus mit dem christlichen Glauben wurde eindrucksvoll dargestellt.
Um 18.00 Uhr wurde der Aktionstag beendet. Gleichzeitig fand der Einlass zum Laut gegen Rechts-Konzert im Pumpwerk statt. Drei Bands standen auf dem abwechslungsreichen Programm. Besonders die zwei Wilhelmshavener Bands zogen gut. So waren zwischenzeitlich über 250 Menschen im Pumpwerk. etwas leerer wurde es dann leider zum Hauptact des Abends. Mit der Band STIER stand echte Profis auf der Bühne. Bis weit in die Nacht rockte die “älteste Newcomerband Deutschlands” die Halle.
Die drei Bands wurden von Jugendorganisationen angekündigt, die sich am Netzwerk beteiligen. So wurde auch beim Konzert erneut ein deutliches inhaltliches Zeichen gegen Rechts gesetzt. Die DGB-Jugend, der Jugendverband Rebell und die Linksjugend [´solid] sprachen auch hier deutliche Worte in die Richtung der Nazis.
Das Netzwerk gegen Rechts zeigte sich, trotz des ausbaufähigen Besucherzuspruches, erfreut über den Ablauf des Aktionstages. Insgesamt waren es mehr Besucher, als beim ersten Versuch. In jedem Fall wird es in 2011 eine Neuauflage des antifaschistischen Aktionstages geben.













