Wie Flüchtlingskrisen die Meinung der Menschen von der Regierung beeinflussen

Am wichtigsten ist dem Menschen sein eigenes Wohl. Solange es den Menschen in einem Land gut geht, halten sich ihre Beschwerden in Grenzen. Wenn ein armer Mensch bei uns an der Tür läutet, werden wir im Normalfall nicht zögern ihm etwas zum Anziehen und zu essen zu geben. Kritisch wird es jedoch, wenn diese armen Menschen, die „an unserer Tür läuten“, viele werden.

Die Armutsrisikoquote ist in Deutschland seit Kurzem wieder am Steigen. Obwohl die Wirtschaftslage gut ist, profitiert ein großer Teil der Bevölkerung scheinbar davon nicht. Obgleich wir, im Vergleich zu anderen Ländern, in der Bundesrepublik Deutschland eigentlich nicht von Armut sprechen können und es der Bevölkerung seit Generationen praktisch an nichts fehlt, empfindet die Bevölkerung das subjektiv nicht so. Selbst Deutschland ist nicht das Paradies auf Erden. Auch in Deutschland müssen die Bürger nach wie vor für ihren Wohlstand arbeiten, genauso wie die Menschen mit ihrem Einkommen haushalten müssen um ein gewisses Niveau aufrecht zu halten. Es ist nur natürlich, dass dieser Zustand Angst vor Verschlechterung mit sich bringt.

Laut aktuellen Umfragen ist die Steuer- und Abgabenbelastung der deutschen Bürger inzwischen zu ihrem Hauptproblem geworden und hat die Grenze des Verkraftbaren erreicht. Vor allem berufstätige Menschen, die die Hauptlast bei Steuern und Abgaben tragen, empfinden ihre Belastungsgrenze als erreicht beziehungsweise sogar überschritten. Die Deutschen fühlen sich von der Steuer- und Abgabenlast erdrückt was zu einer allgemeinen Missstimmung geführt hat. Hier offenbart sich die Kehrseite des Sozialstaats. Wenn sich nun um uns Menschen, die offensichtlich weder arbeiten noch Steuern zahlen, und denen es scheinbar aber trotzdem an nichts fehlt, häufen, werden diese Ängste dadurch geschürt. Warum diese Menschen nicht arbeiten, macht dabei keinen Unterschied. Bereits in hohem Maße frustriert, fühlen sich die Bürger nun auch noch provoziert. Unterstützt von der einseitigen Berichterstattung der Medien und aufgrund von negativen Zwischenfällen, wie denen Silvester 2015 in Köln, spitzt sich die Lage nur noch immer weiter zu.

Spätestens an diesem Punkt muss man erkennen, dass auch Humanität in der Realität ihre Grenzen hat. Es ist die Aufgabe der Regierung, hier Grenzen zu setzen. Denn der Staat sind die Bürger, und wenn diese, zu viele Steuern zahlen müssen oder sich in irgendeiner anderen Art und Weise bedroht fühlen, machen sie nicht mehr mit, sondern reagieren stattdessen mit Abwehr. Bei der aktuellen Erstarkung rechtspopulistischer und rechtsextremistischer Parteien fungiert die Flüchtlingskrise so auch als Art Katalysator. Kein Wunder, wenn diese von den „Fehlern“ der Regierung profitieren und deren „Unfähigkeit“ deutlich machen.

Die Lösungen der rechten Parteien mögen ein Trugbild sein, doch mangels Alternativen ist es nicht verwunderlich, wenn sie bei Massen von frustrierten Menschen auf offene Ohren stoßen, denn die besorgten Bürger trauen den etablierten Politikern nur noch wenig zu. Wer diese Ängste nicht ernst nimmt, wird Wähler verlieren. So reagierte im Gegenzug auch die Regierung auf die sinkende Popularität und begab sich mit einem verschärften Asylrecht und einer konsequenteren Abschiebepraxis zwar nicht direkt auf einen Kurswechsel, aber doch in vernünftigere, gemäßigtere Bahnen.